Die Geschichte der Kontaktlinse

Parallel zur Entwicklung der Brille, wurden auch immer wieder Versuche unternommen, Glaslinsen direkt aufs Auge zu setzen.

1508 - Leonard da Vinci beschäftigte sich mit der Korrektur von Sehfehlern durch das Aufsetzen von Linsen auf das Auge. Er zeichnete einen Glasbehälter, mit dessen Hilfe eine Flüssigkeit vor dem Auge festgehalten werden kann.

1801 - Thomas Young (engl Mediziner) entnahm kleine Linsen aus seinem Mikroskop, umhüllte sie am Rande mit weichem Wachs und setzte sie sich selbst auf das Auge.

1827 bis 1886 - Erste Vorläufer der Kontaktlinsen wurden zur Behandlung von Staropertieren entwickelt. Es handelte sich meist um Gelantineplättchen oder tierischen Gallertkapseln, die in einer gläsernen Kapsel auf die Hornhaut gesetzt wurde.

1887 – Versuche mit aus Glas geblasene “Contactschalen” wurden von Adolf Eugen Fick in Zürich und August Müller in Kiel durchgeführt.
Eugéne Kalt versuchte in Frankreich mit gläsernen Kontaktlinsen durch eine Art Druckverband den Keratokonus zu heilen. Die überraschende Verbesserung der Sehleistung war zunächst nur ein unbeabsichtigter Nebeneffekt.

1899 - beschrieb der deutsche Arzt August Müller seine Eigenversuche mit geschliffenen Glaslinsen, die damals noch über die Hornhaut hinaus auch die Sklera bedeckten. Die Herstellung war allerdings sehr schwierig und teuer.

1915 bis 1920 - Carl Zeiss Jena und anderer Firmen stellten Glasschalen mit besseren optischen Eigenschaften und etwas besserer Verträglichkeit her. Aber die Bruchgefahr und damit die Verletzungen am Auge verhinderten den Einsatz als Routinemethode.

Um 1928 - das Gebiet der Polymerchemie, insbesondere die Polyacylproduktion in den USA machte enorme Fortschritte. Die neuen Kunststoffe machten fast beliebig dünne, durchsichtige Linsen mit sehr guten Verträglichkeit und guten optischen Eigenschaften möglich.

1936 - Wiliam Feinbloom (Kalifornien) stellte die ersten Linsen mit zentralen Zone aus Glas und Kunststoff-Peripherie her.
Rohm und Haaas Co. (Philadelphia) entwickelten Kontaktlinsen aus PMMA. PMMA wurde  ursprünglich von der amerikanischen Flugzeugzeugindustrie als Fenstermaterial entwickelt.
In Deutschland verzögerte sich durch den Krieg die Entwicklung von Kontaktlinsen, deren Bedeutung aber am Ende des Krieges eine wachsende Bedeutung durch die vielen kriegsbedingten Augenverletzungen bekamen.

1948 - Heinrich Wöhlk in Kiel verarbeitet PMMA, das Plexiglas zu Kontaktlinsen.

1955 - entstand die erste mehrkurvigen Korneallinse, wie sie im wesentlichen heute noch üblich sind.

1959 – in Amerika wird Silikonkautschuk als erstes weiches Material für die Kontaktlinsen  entdeckt. Silikonkautschuk hat zwar eine hohe Sauerstoffdurchlässigkeit, haftet aber auf der Hornhaut an, so dass kein Tränenfilm zwischen Linse und Hornhaut gelangen kann.
W.P Söhnges begann in Deutschland mit der Entwicklung von Multifokallinsen.

1960 - wurden die ersten HEMA Kontaktlinsen von O.Wicherle und D.Lim in Tschechien hergestellt.

1971 – HEMA wird auch in Deutschland verwendet. HEMA hat wesentlich bessere Trageeigenschaften als Silikonkautschuk, aber leider eine wesentlich schlechtere Sauerstoffdurchlässigkeit.

1974 - die ersten CAB-Linsen kommen auf den deutschen Markt.

1999 – die ersten Silikonhydrogellinsen kommen auf den deutschen Markt. Sie verbinden die Vorteile von HEMA und Silikonkautschuk miteinander. Diese Linsen sind laut Hersteller Dauertragenlinsen und können unter bestimmten Umständen sogar über Nacht getragen werden.
Auch wenn die Entwicklung der Kontaktlinsen mit den formstabilen “harten” Materialien begonnen hat, stellen diese Linse keinesfalls eine veraltete Technologie dar. Die besten Aussichten für bequemes, komplikationsfreies Kontaktlinsentragen über viele Jahre und Jahrzehnte bietet immer noch die individuell angepasst und angefertigte formstabile Kontaktlinse.

 

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