Wie minimiert eine Entspiegelung die Reflexe auf dem Brillenglas

3 Kommentare »

Wie minimiert eine Entspiegelung die Reflexe auf dem Brillenglas

Diese Frage hat mir letzte Woche ein Kunde gestellt, was mich dazu bringt die Erklärung auch hier einmal einzustellen.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Weg des Lichtes beim Wechsel vom Medium Luft in das Medium Brillenglas eine Änderung erfährt.
Außer der gewollten Brechung an der Glasfläche wird ein Teil des Lichtes reflektiert.
Die Brechung ist abhängig von der Glasstärke und wird im günstigsten Fall so gebrochen, dass exakt auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht.

Der Teil des auftreffenden Lichtes, welcher sowohl an der Glasoberfläche, als auch im Brillenglas reflektiert wird, verursacht ein starkes Streulicht.

Dieses irritiert insbesondere bei nächtlichen Autofahrten, und auf regennasser Fahrbahn. Aber auch bei der Computerarbeit wird unter Umständen der Spiegeleffekt des Bildschirmes durch unentspiegelte Brillengläser geradezu verdoppelt. Überanstrengung und Ermüdung sind die Folge.

Eine weitere Folge der Reflexe ist eine reduzierte Lichtdurchlässigkeit, und eine geringere Transparenz des Brillenglases, die Kontraste werden gemindert. Das Brillenglas wird auf Grund dieser Fehler als „schmutzig“ bezeichnet.

Da nicht nur das von vorne auftreffende Licht reflektiert wird, sondern auch das, welches von hinten auf das Glas auftrifft, wird das Auge im Brillenglas gespiegelt, was auch wiederum zu irritierenden Fehlbildern führt.

Ein weiteres, wichtiges Argument für die Entspiegelung ist der kosmetische Effekt!

Durch die höhere Transparenz des entspiegelten Brillenglases, nimmt der Betrachter, bzw. Gesprächspartner, keine störenden Reflexe wahr, die Augen des Brillenträgers werden ganz klar, fast als wenn keine Brillengläser vorhanden werden, wahrgenommen. Die Brille wird bedeutend attraktiver.

Doch wie wirkt nun die Entspiegelung?

Auf das Brillenglas werden je nach Qualitätsstufe mehrere, hauchdünne Schichten aufgedampft, die diese Reflexe im besten Fall nahezu komplett auslöschen. Man nennt diesen physikalischen Vorgang „die Interferenz der Lichtwellen“.

Bei den aufgedampften Schichten handelt es sich z.B. um Magnesiumflorid. Die Entspiegelungsschichten bewirken, dass vom gesamten Lichtspektrum (weißes Licht setzt sich aus allen Farben zusammen) eine Farbe (Wellenlänge) durch „Überlagerung der Lichtwellen“ komplett ausgelöscht wird. (Ein Berg der einen Lichtwelle trifft auf ein Tal der anderen Lichtwelle und führt so zur Auslöschung.)

Je mehr Schichten auf das Glas aufgebracht werden, umso mehr Farben werden ausgelöscht und umso weniger Spiegelbilder sind auf dem Glas.

Die kleine Grafik stellt diesen Effekt sehr gut dar.

Wie dick diese Schicht im Endeffekt ist und wieso man nach einigen Jahren Alltagsgebrauch eine Ablösung von den Schichten erkennen kann, erklären wir in einigen Tagen in einem Folgeartikel.

Bildquelle: Carl Zeiss

Tags:

Autor: Kay Dollt

Als Augenoptikermeister ist er seit 5 Jahren Mitglied im Optiker Schütz Team. Außer um die Webpräsenz und die Blogberichte kümmert er sich natürlich um sämtliche Belange unserer Kunden rund um die Kontaktlinse und Brille. Was er mag: www - und alles was damit zu tun hat Was er überhaupt nicht mag: Wenn wider Erwarten unsere "Jura" streikt...

Dieser Artikel hat 3 Kommentare

  1. Alper on 5. Januar 2009 at 21:37 Antworten

    Guter Erklärung und guter Artikel. Vielen Dank dafür. Jetzt kapiere ich auch endlich mal wie das mit der Entspiegelung funktioniert :-))

    • Kay Dollt on 6. Januar 2009 at 15:51 Antworten

      Freut mich das unser Blog wohl in deinen Feed-Reader gewandert ist 😉

Kommentar verfassen