Auf meinem Brillenglas löst sich die Entspiegelung
Kay Dollt am 15. Januar 2009 um 15:21Wie im Artikel „Wie minimiert eine Entspiegelung die Reflexe auf dem Brillenglas” angekündigt, möchten wir heute auf die Problematik „Auf meinem Brillenglas löst sich die Entspiegelung” eingehen.
Um die Reflexe für eine spezielle Lichtfarbe, genauer gesagt einer Wellenlänge, zu eliminieren, müssen zwei Bedingungen gegeben sein: eine bezieht sich auf die Brechkraft der Entspiegelungsschicht, die zweite auf die Dicke dieser Schicht.
Um die Thematik der Schichtablösung besser verständlich zu machen, geht es uns heute mehr um die Dicke dieser Schicht.
Um eine völlige Auslöschung für eine Wellenlänge zu erhalten, muss die Schicht der einzelnen Entspiegelung ¼ der Wellenlänge dick sein.
Möchten wir zum Beispiel die Reflexe des Grünanteils des Lichtes (Wellenlänge: 550nm) minimieren, so muss die Entspiegelungsschicht hierfür ¼ von 550nm dick sein. Die Superentspiegelung besteht, je nach Hersteller, aus ca. 6 Schichten.
Grob können wir also feststellen, dass auf einem Brillenglas 6 Schichten, mit einer Dicke von jeweils ca. 150nm (Nanometer) aufgetragen werden.
Um die Größenverhältnisse etwas besser verständlich zu machen:
Ein Haar eines durchschnittlichen Europäers ist laut meiner Recherche im Internet 0,07mm dick. Umgerechnet in Nanometer, hat dieses Haar eine Dicke von 70.000 Nanometer.
Unsere Entspiegelungsschicht ist also 0.00015mm dick.
Wenn wir nun bedenken, dass im Schnitt die Brillengläser 1mal täglich gereinigt werden, so müssen diese 0,00015mm dicke Schichten, in 3 Jahren über 1.000mal den Druck des Brillenputztuches aushalten.
Ganz zu schweigen von den nicht mechanischen Belastungen, wie der Dehnung und dem Schrumpfen bei wechselnden Temperaturverhältnissen, oder der Belastung des recht aggressiven Körperschweißes.
Wenn man sich dies alles vor Augen hält, ist es meiner Meinung nach sehr erstaunlich, dass diese Schichten in der Regel 3-4 Jahre auf dem Brillenglas halten. Dies ist meist auch der Zeitrahmen in dem die Sehstärke sich leicht verändert und eine neue Brille gekauft wird.
Noch erstaunlicher, die Glashersteller geben volle 2 Jahre Garantie auf diese Schichten. Eine Voll-Garantie auf die Hälfte der Durchschnittlichen Lebensdauer, finden wir bei anderen Produkten leider sehr selten. Wenn ich da an meinen Notebook-Akku (halbes Jahr Garantie), einen Neuwagen (~3 Jahre Garantie / ca. 15 Jahre Lebensdauer), oder so vieles Andere denke.
Trotz all dem arbeiten die Glashersteller an unterschiedlichen Ansätzen, um die Dauer bis zur Ablösung der Entspiegelungsschicht zu verlängern.
Da dieser Artikel hier zu lang wird, geht es in einigen Tagen mit dem Lösungsansatz „Orgatech” der Firma Seiko weiter.






15. Januar 2009 um 20:58
Sehr interessant. Wusste gar nicht, dass das so aufwändig ist. Danke für die Info
15. Januar 2009 um 22:22
Dafür sind wir hier
17. Dezember 2010 um 11:38
Hallo, super Artikel! hat mir sehr geholfen!
Mich würde allerdings noch interessieren, welche Rolle die verschiedenen Brechungsindizes der einzelnen Materialien (Brillenglas, aufgedampfte Schicht…) spielen.
Müssten diese nicht die Wellenlängen beeinflussen und damit auch die Dicke der aufgedampften Schichten?!
17. Dezember 2010 um 13:20
Hi Milan,
doch klar.. gerade die Entspiegelung funktioniert nur, wenn Brechungsindex und Dicke der Schicht exakt passen. Das Schwierige ist, dass es dann lediglich für eine Wellenlänge passt. Aus diesem Grund sind Entspiegelungen auch komplexe Pakete (Mehrfachentspiegelungen).
So wird nicht nur eine Wellenlänge ausgelöscht, sondern viele.
Die Thematik dahinter ist ganz schön kompliziert.
Grüße Kay