Arbeiten bei einem Abstand von 10cm – Was bedeutet dies für die Brille und für uns?

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Es ist für uns eine nicht ganz alltägliche Aufgabe, eine Brille für einen Arbeitsabstand von 10 cm anzufertigen.

Witzig ist, dass ich in nicht einmal 2 Monaten gleich bei 3 Kunden eine solche Aufgabe zu bewältigen hatte. Daran erkennt man eben doch, dass in Pforzheim die Schmuckindustrie ansässig ist. Die Arbeitsabstände in der Schmuck- und Uhrenbranche sind sehr gering. Normalerweise geht man von einem Nahabstand von ca. 35 cm aus, hier wie gesagt von ca. 10 cm.

Was ist nun die Herausforderung an einer Brille für diesen Abstand?

Für jeden Nahabstand ist eine andere Brillenglasstärke erforderlich.

Das heißt, beim Zeitung lesen muss die Lesebrille stärker sein, als zum Beispiel für eine „Klavier- oder Musizierbrille“.

Nun gilt es aber speziell bei dem extrem kurzen Nahbereich unserer 3 Kunden, nicht nur den Abstand zu berücksichtigen, sondern auch die „Konvergenz“ des Augenpaares.

Was heißt das?

Je näher man blickt, desto mehr wandern die Augen nach innen. (Wenn Sie mal Ihre Hand ausstrecken, und auf Ihren Zeigefinger blicken, und diesen dann langsam zur Nase führen, werden Sie merken, dass irgendwann eine Entfernung eintritt, ab welcher die Augen direkt schmerzen.)

Deshalb benötigt man zur Anfertigung dieser besonderen Arbeitsbrille spezielle Gläser, die das „Einrollen des Augenpaares“ angenehm unterstützen, und dann auch ein räumliches Sehen noch ermöglichen.

Ansonsten macht das Arbeiten in diesem Abstand gar keine Freude, sondern führt sehr schnell zu starker Ermüdung und Kopfschmerzen.

Diese Anforderung individuell zu ermitteln und für den Kunden zu fertigen ist die Herausforderung, von der ich eingangs sprach.

Als Augenoptikermeister macht es wirklich riesen Spaß solche außergewöhnlichen Fälle zu bearbeiten.

Nachdem man die Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen erarbeitet hat, und ein funktionierendes Ergebnis heraus kommt, der Kunde zufrieden den Laden verlässt, geht man selbst mit „geschwollener Brust“ in den Feierabend 😉

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Autor: Kay Dollt

Als Augenoptikermeister ist er seit 5 Jahren Mitglied im Optiker Schütz Team. Außer um die Webpräsenz und die Blogberichte kümmert er sich natürlich um sämtliche Belange unserer Kunden rund um die Kontaktlinse und Brille. Was er mag: www - und alles was damit zu tun hat Was er überhaupt nicht mag: Wenn wider Erwarten unsere "Jura" streikt...

Dieser Artikel hat 2 Kommentare

  1. Petra Weigerts on 8. Dezember 2009 at 17:53 Antworten

    Gibt es sowas eigentlich auch für Tageslinsen? Ich trage Kontaktlinsen lieber, weil ich dann ein besseres Sichtfeld habe. Gibt es solche Speziallinsen? Haben Sie da einen Tipp?

    • Kay Dollt on 8. Dezember 2009 at 18:48 Antworten

      Hallo Frau Weigerts,

      eine Unterstützung der Konvergenz ist bei Kontaktlinsen nicht möglich. Daher ist dieser Spezialfall mit Kontaktlinsen nicht machbar.
      Reine Kontaktlinsen für die Nähe werden allgemein sehr selten angefertigt, da sie für die Sicht in die Ferne nicht kurz abgesetzt werden können, wie eine Nahbrille.
      Hier müssen dann Multifokale Kontaktlinsen ran, oder eine Fernbrille, die man über die Nah-Kontaktlinsen setzt.

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